14.09.2018 / Artikel / /

Der Mensch steht auch in Zukunft im Zentrum

Am vergangenen Mittwoch führte die CVP Bezirk Frauenfeld ihren dritten Anlass zum Jahresthema Digitalisierung durch. Im Fokus stand das Gesundheitswesen. Nur wenn sich die Prozesse weiterentwickeln, bringt die Digitalisierung das Gesundheitswesen weiter, war die zentrale Aussage des Inputreferats.

CVP – Der fast volle Saal im Rebgut Jäger zeigte die Aktualität des Themas. CVP-Bezirkspräsident Stefan Geiges gab in seiner Begrüssung der Hoffnung Ausdruck, dass die Digitalisierung im Gesundheitswesen den Patienten wie auch dem medizinischen Personal Vorteile bringe und nicht die Verwaltung zusätzlich belaste. Für das Inputreferat konnte Jürg Lindenmann, Präsident des Verbandes Digitale Gesundheit gewonnen werden, Informatik-Spezialist und selbstständiger Berater für Informatiklösungen im Gesundheitswesen. In seinem Referat zeigte er auf, in welchen Bereichen die Digitalisierung im Gesundheitswesen bereits Einzug gehalten hat. Mit der Einführung der Klinik-Informationssysteme sind die Spitäler mittendrin, während bei den Arztpraxen noch rund ein Drittel ihre Dossiers in Papier führe und auch keinen Wechsel beabsichtige. Das elektronische Patientendossier sei aber nur ein Teilbereich der Digitalisierung. Besonders Assistenzssysteme haben ein grosses Potential und sind bereits verbreitet, so Lindenmann weiter. Dies vor allem in den Bereichen Therapie, Chirurgie sowie in der Pflegeassistenz. Weniger Zukunft sieht er im Bereich der Diagnose, wo Assistenzssysteme helfen, nicht aber den Arzt ersetzen können. Lindenmann ist überzeugt, dass die Digitalisierung keine grundlegende Veränderung des Gesundheitswesens herbeiführen wird, Prozesse aber weiter entwickelt werden müssten. Nur so könne sich das Gesundheitswesen entwickeln und effizienter werden.

Der gläserene Patient

Die Diskussion mit dem Titel „Der gläserne Patient“ fand unter der Leitung von Wirtschaftsinformatiker Patrick Siegenthaler statt. Prof. Dr. med. Beat Frauchiger konnte als ehemaliger Chefarzt der Klinik Kantonsspital Frauenfeld aus einem reichen Erfahrungsschatz plaudern. Aus seiner Sicht ist der Stand der Digitalisierung im Kanton Thurgau hervorragend. Dieser Meinung schloss sich auch Elisabeth Herzog Engelmann an, ehemalige Geschäftsleiterin der Krebsliga Thurgau. Es wurde viel geleistet in den letzten Jahren, vor allem auch die Spitex sei mit dem elektronischen Patientendossier schon sehr weit. In der Realität bereite die Verwaltung der Daten und der Zugriff noch Mühe, so Daniel Frey, selbstständiger Finanz- und Vermögensberater. Dies stelle vor allem bei einer plötzlichen Urteilsunfähigkeit eines Patienten Probleme. FDP-Kantonsrätin Ruth Kern führte aus Sicht der Apotheken aus, dass sie sich nicht einen gläsernen Patienten, sondern einen gläsernen Medikamentenplan wünsche. Durch die Digitalisierung könnten viele Abläufe vereinfacht und transparenter gemacht werden. SP-Kantonsrätin Marianne Sax zeigte auf, dass insbesondere bei den gesetzliche Grundlagen Lücken bestehen, da die Hausärzte nicht verpflichtet sind, das elektronische Patientendossier einzuführen. Auch das Thema Datenschutz und Datensicherheit wurde diskutiert. Insbesondere beim Thema Fitness-Tracking bestehen Bedenken. Das Sammeln eigener Bewegungs- und Fitnessdaten verleite die Krankenkassen zu einer Zweiklassenmedizin, was bei den Zusatzversicherungen teilweise bereits jetzt der Fall sei. Die Frage, ob die Digitalisierung das Gesundheitswesen finanziell eher belaste oder entlaste, wurde kontrovers diskutiert.

Referent Jürg Lindenmann

Podium (v.l.n.r): Prof. Dr. Med. Beat Frauchiger (SVP), Daniel Frey (CVP), Elisabeth Herzog Engelmann (CVP), Kantonsrätin Ruth Kern (FDP), Kantonsrätin Marianne Sax (SP)

Moderator Patrick Siegenthaler