07.11.2018 / Artikel / /

Digitalisierung ist sozialverträglich

Am vergangenen Dienstag führte die CVP Bezirk Frauenfeld den letzten Anlass zum Jahresthema Digitalisierung durch. Dabei stand die Frage nach der Sozialveträglichkeit der Digitalisierung im Zentrum. Im Inputreferat wurde beispielhaft aufgezeigt, was die Digitalisierung in einer spezialisierten Branche bedeuten kann.

CVP – In der ehemaligen Maurerlehrhalle in Frauenfeld durfte CVP-Bezirkspräsident Stefan Geiges eine interessierte Gästeschar begrüssen. Passend zum Veranstaltungsort nahm das Inputreferat die Digitalisierung im Baugewerbe und deren Folgen ins Visier. Als Referent konnte Michael Schweiwiller gewonnen werden, Geschäftsleitungsmitglied der Firma METHABAU in Amriswil. Er skizzierte, wie die Firma METHABAU als Totalunternehmerin für einen Bau sämtlich Planungs- und Konstruktionsarbeiten in einer 3-D-Konstruktion ausführe. Danach werde dann, immer mit digitaler Unterstützung bzw. Kontrolle, auch gebaut. Parallel zu den Arbeiten im Rohbau wird auch sämtliche Haustechnik fortlaufend eingebaut. Die Vision ist, papierlos bauen zu können. Das Lösen von Problemen und das Messen am Bau gehöre der Vergangenheit an. Schweiwiller verdeutlichte die Arbeitsweise auf eindrückliche Weise am Bau des Airport Hotels in Rümlang.

Berufsbilder werden sich ändern oder verschwinden

Die Diskussion mit dem Titel „Digitalisierung – ist sie sozialverträglich?“ fand unter der Leitung von Marlise Bänziger statt. Bezüglich der Grundfrage herrschte weitgehende Einigkeit, die Sozialverträglichkeit sei gegeben, wenn die Mitarbeitenden die Bereitschaft zeigen, die Digitalisierung mitzutragen. Für die beiden Bauunternehmer Geiges (CVP) und Tschanen (SVP) ist klar, dass sie die Digitalisierung mit ihren Mitarbeitern bewältigen könnten, wäre da nicht der Druck der Sozialpartner, unter anderem durch den Gesamtarbeitsvertrag, der individuelle Lösungen verhindere. Klar sein aber auch, dass sich Berufsbilder änderten und sich die Schere zwischen den Fachspezialisten und den Hilfskräften öffne. Aus Sicht von August Keller (CVP) ist die grösste Herausforderung, genügend qualifizierte Leute für den Planungsbereich zu finden. Dazu kommt, dass sich die Berufsbilder in den nächsten Jahren generell ändern und viele Berufe überflüssig würden, dies schaffe Unsicherheit. Auch für Stefan Hanselmann (FDP) tragen die Mitarbeiter einen grossen Teil zur Digitalisierung, diese müssten offen sein für neue Arbeits- und Denkweisen. Aber der Druck auf ältere Mitarbeitende nehme zu. Barbara Dätwyler (SP) sieht vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht. Diese müssen in die Ausbildung der Mitarbeiter investieren und auch genügend Infrastrukur zur Verfügung stellen. Die Politik muss entsprechend im Bereich Bildung investieren und das Fundament für eine gute Grundausbildung auch im digitalen Bereich legen.

Referent Michael Schweiwiller

Podium (v.l.n.r): Stefan Geiges (CVP), Mathias Tschanen (SVP), Barbara Dätwyler (SP), Stefan Hanselmann (FDP) und August Keller (CVP).