01.07.2019 / Artikel / /

Stetige Steigung – keine Explosion

In Uesslingen  führte die CVP Bezirk Frauenfeld einen weiteren  Anlass zum Jahresthema Kostenbremse durch. Die Diskussion ging der Frage nach, wer schuld an der Kostenexplosion der Krankenkasse sei und wie sich diese eindämmen liesse. Zwei Leistungserbringer hatten in einem Inputreferat die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

CVP – Die steigenden Krankenkassenprämien waren Thema dieses Anlasses der CVP Bezirk Frauenfeld. Für einmal hatten zwei Vertreter der Leistungserbringer, nämlich der Ärzteschaft/Spitäler sowie der Apotheken die Möglichkeit, ihre Sicht der Dinge darzustellen. So zeigte Dr. med Stephan Heinz, unter anderem Präsident Vereinigung Ostschweizer Orthopäden auf, dass die Krankenkassenkosten nicht explodieren, sondern lediglich eine stetige Steigung aufweisen. Gemäss Statistik seien die Ausgaben eines Durchschnittshaushaltes in den Bereichen Konsum, Steuern und Ersparnisse massiv stärker gestiegen als die monatliche Prämienlast. Zudem seien Behandlungen nicht nur teurer, sondern auch besser geworden, so Heinz. Möglicherweise gebe es Lösungen, um das Gesundheitswesen effizienter zu machen, diese seien aber auch nicht gratis zu haben. Und die Nebeneffekte solcher Lösungen könne niemand voraussagen.
Ein anderes Thema beleuchtete Stefan Ullmann, Präsident des Verbandes Apotheken Thurgau. In seinem Referat stellte er dar, dass das Argument der überrissenen Medikamentenpreise in der Diskussion um die Gesundheitskosten ein falsches Bild darstelle. Er zeigte auf, dass die behördlich festgelegten Sparmassnahmen im Apothekenkanal seit 2013 Einsparungen von 754 Millionen Franken gebracht haben. Ebenso zeigte er auf, dass die Medikamente aus der Apotheke im Jahr 2017 lediglich einen Anteil von 4,2% der Gesamtkosten ausmachten. Die Apotheken leisten einen wichtigen Beitrag zur Prävention sowie auch zur Erstberatung von Patienten und tragen auch damit zu tieferen Kosten bei, so Ullmann

Eigenverantwortung oder Abbau in der Grundversicherung?

Die anschliessende Diskussion drehte sich um die Frage, wo Einsparungen möglich wären. Als Apothekerin staune sie nur, so Ruth Kern (FDP), wie viele Medikamente jeweils nicht gebraucht und in der Apotheke zurückgegeben werden. Die Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten sei äusserst wichtig. Für Alex Granato (SP) müssten die Schwerpunkte ganz klar in der Krankheits- und Unfallprävention liegen. Eine stetig höhere Intensität am Arbeitsplatz führe zwangsläufig zu mehr Krankheit und Unfällen und den damit verbundenen Folgekosten. Die Arbeitsbedingungen seien daher ein wichtiges Thema, so der Gewerkschaftssekretär. Anne Varenne (CVP) ortet überall Sparpotential. Aus eigener Erfahrung berichtete sie über Mehrfachabklärungen und schlechte Kommunikation zwischen Ärzten, was zu erheblichen Mehrkosten führe. Alle sind gefordert, um diese Inneffizienzen zu beheben. Aus Sicht von Daniel Vetterli (SVP) muss die Kurve der Prämienentwicklung flacher werden. Kostenreiber sei der Patient, so Vetterli, weil es keine Anreize zum Sparen gebe. Allenfalls sieht er Diskussionsbedarf in den Leistungen der Grundversicherung, eine Diskussion, die aber unbequem sei. Anja Scholz (CVP) stellte die Prävention, die Übertherapien sowie die Spitalpolitik ins Zentrum ihrer Überlegungen. Im Verlauf der Diskussion wurden weitere Themen wie der Umgang mit den Franchisen oder die generelle Erhöhung der Franchisen, die hohen Saläre bei gewissen Ärztegruppen und bei den Krankenkassen sowie die Spitalliste andiskutiert. Es wurde klar: Patentrezepte gibt es keine, aber die Politik hätte die nötigen Mittel, um lenkend einzugreifen.

Die Referenten Stefan Ullmann und Dr. med. Stephan Heinz

Podium v.l.n.r. Ruth Kern (FDP), Alex Granato (SP), Anne Varenne (CVP), Daniel Vetterli (SVP) und Anja Scholz (CVP).